Dezember 2011

Mittlerweile habe ich auch das 22 minütige Hörstück für das Akustische Studio des WDR über meinen Bonnaufenthalt fertig bekommen. Es ist eine akustische Geschichte mit vielen kleinen Details. Z.B. das Knarren der Dielen im Beethovenhaus, überlagert mit der dort zu hörenden Musik von Beethoven oder die neu zusammengestellte Folge von Namen der Bewohner der Maxstraße. Mit einem speziellen Gerät, dem Leuchtstoffröhrensequenzer, habe ich Straßengeräusche in eine musikalische Form gebracht. Das Kuckucksuhrenorchester und die Klanginseln sind, wenn auch akustisch etwas versteckt, zu hören u.v.m.
Die Erstsendung war zusammen mit dem Hörstück von Sam Auinger, dem letztjährigen Stadtklangkünstler am 16.12. zu hören
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Hier kann man mein Stück „bonn hoeren II“ direkt vom WDR downloaden: mp3 datei
oder gleich anhören…

Meine neue Installation im Außenraum soll in der Nähe der jetzigen stadtklang-studiogalerie in der Friedrichstraße eingerichtet werden. Dafür machten wir im Dezember ein paar spektakuläre Tests. Von der Firma, die die Anzeigen baut mit der Aufschrift „SIE FAHREN“ und der darunter angezeigten Geschwindigkeit bekam ich die ersten für uns zugeschnittenen Teile. Den Sensor konnte ich mit Erfolg testen. Jetzt kommt aber das Problem der Weihnachtszeit hinzu. Die Firmen können nicht fristgemäß liefern, so dass unsere Eröffnung nun am 21.1.2012 um 16 Uhr sein wird.

Zur geplanten Installation „5,3 Kilo Meter pro Stunde“:

Die Geschwindigkeit vorbeigehender Passanten soll gemessen werden, um diese akustisch auswerten zu können. Zu diesem Zweck werden die als Geschwindigkeitsmesser bekannten Anzeigetafeln mit der Aufschrift „Sie fahren“ und des darunter angezeigten Tempos umfunktioniert und eingesetzt. Die Aufschrift heißt nun „Du gehst“ und die Anzeige gibt die Laufgeschwindigkeit des Passanten in km/h an. Aus diesem Wert wird eine Schrittfolge hörbar gemacht, die annähernd der des Passanten entspricht und bewusst kleine Abweichungen aufweist. Die Schritte werden verfremdet und akustisch von oben abgestrahlt und gehen einen gedachten Weg von mehreren Metern mit. Der Passant hört eine Art Rückkopplung seiner eigenen Schritte. Er kann sich nun entscheiden, ob er sein Tempo weiterhin durchsetzt und gegen die akustisch verfremdeten Schritte von oben anläuft oder ob er sich anpasst, sein Tempo abändert und sich zu seinem Schritte-Pendent synchronisieren lässt. Mann kann aber auch einfach stehen bleiben und den musikalischen Schritten von oben ihren Lauf lassen. Der Fußgänger ist in jedem Fall Auslöser einer akustischen Aktion. Die verfremdeten Schritte laufen in seinem vorgegebenen Tempo unbeirrt weiter. Er kann sich selbst einholen oder überholen oder seinem Echo einfach zuhören.
Die Anlage soll zweimal installiert werden, so dass derartige Aktionen ausgelöst werden können, egal aus welcher Richtung man in der Friedrichstraße geht. Die Passanten können sich begegnen, stehen bleiben, weiter gehen oder abbiegen. In jedem Falle begegnen sich deren Schritte und vermischen sich. Ab und zu werden sie verwechselt, so dass der eine die Schrittfolge des Gegenübers bekommt und in dessen Tempo virtuell weiterläuft.
Die angezeigte Geschwindigkeit soll möglichst genau stimmen, um so auch prüfen zu können, welches Tempo man vorgibt, wie schnell man ist, wenn man es eilig hat und wie langsam, wenn man sich entspannt. Somit kann man prüfen, welches Tempo der Tag vorgibt, bei welchem Tempo man sich wohlfühlt und ob man es ändern sollte. Damit ist die Installation in höchstem Maße interaktiv, reizt vielleicht auch, seine eigene Geschwindigkeit zu finden und dem Gegenüber auf ganz neue Art zu begegnen. Die akustische Schrittverfremdung lässt neue Klangspiele zu, kleine Melodien, minimalistische Rhythmen. Auch hier kann der Passant bewusst eingreifen, seine Schrittmelodie gestalten und auch mit mehreren Leuten zusammen eine eigene Musik kreieren.

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