b o n n  h o e r e n — sonotopia
ausstellung im ausstellungsraum der beethovenhalle

1 1 . 9 . —  8 . 1 0 . 2 0 1 0
öffnungszeiten: ab eine stunde vor konzertbeginn
f i n i s a g e     8 . 9 .  2 0 1 0   a b   1 9 h

in der ausstellung  s o n o t o p i a  zum beethovenfest 2010 werden projekte von fünf studierenden und zwei lehrenden der kunsthochschule für medien köln sowie von zwei absolventen der udk berlin (sound studies) präsentiert. die hörstücke und klangarbeiten beschäftigen sich mit bonn und beethoven im speziellen, mit der beziehung von raum und klang und unserem auditiven verständnis von urbanen lebensräumen im allgemeinen. die beiträge sind im rahmen eines workshops unter der leitung von sam auinger mit unterstützung von judith nordbrock und martin rumori (klanglabor der khm köln) enstanden. präsentiert werden folgende arbeiten:

beatriz boada schimmele   choral nr. 1
matthias conrady behind the music
yi-ling lam traces
claudia list liliennetz – ein geräuschereignis
marco montiel-soto deafness evidence
judith nordbrock perpetuum mobile_
martin rumori inout
sebastian thewes the magnetic wooden air trail
christof wenta stadtfarben

technische leitung: markus oppenländer
 

beethovenhalle
wachsbleiche 17
53111 bonn
verkehrsverbindungen:
bus 551, 600, 601, sb60 haltestelle beethovenhalle
u/s 62, 65, 66, 67 haltestelle bertha-v.-suttner-platz
eintritt frei

b e a t r i z   b o a d a   s c h i m m e l e   choral nr. 1
wenn man an einen städtischen alltag gewohnt ist, bei dem der grundklang vom monotonen brummen von motoren bestimmt wird, ist man ab und zu überrascht von klängen, die fast eines anderen zeitlichen oder räumlichen kontextes entrissen scheinen. marktgeschrei z.b. zählt zu solchen traditionellen klängen, die vielleicht »aussterben«, aber am bonner markplatz noch zu hören sind. diese »gesänge« dienen dem stück als bausteine zu einem experiment, menschliche sprache und triviale klängliche ereignisse als abstrakte und zugleich überschwemmende erfahrung zu erleben. beatriz boada schimmele, geboren 1983 in cuzco, peru, studierte bereits freie kunst an der universidad san francisco de quito, ecuador, mit schwerpunkt auf skulptur und video. seit 2009 setzt sie nun ihr studium an der kunsthochschule für medien köln fort. in ihrer künstlerischen tätigkeit beschäftigt sie sich vorwiegend mit dem thema umfeldwahrnehmung.

m a t t h i a s   c o n r a d y   behind the music
beethoven begann seine karriere erst in bonn, für schumann ging sie tragisch hier zu ende. in beiden fällen rangen die künstler um die rationale kontrolle über musik. die isolierten geräusche eines kammerkonzerts, eines »konzerts ohne musik« zeigen die grenzen der menschlich kontrollierten musik. zu hören ist eine komposition, an die der komponist selbst nicht gedacht hat. matthias conrady wurde 1988 in bergisch gladbach geboren, lebt jedoch seither in köln. nach dem abitur begann er 2009 das studium an der kunsthochschule für medien in köln.

y i – l i n g   l a m   traces
die ältesten bäume in bonn haben beethoven noch erlebt. auch die 27 km rhein, über die bonn sich erstreckt, existierten schon zu seiner zeit. welche wege kannten seine schritte? welche stadtklangräume existieren dort heute? yi-ling lam sammelt flüchtige und vergängliche spuren. traces ist ein hörstück aus urbanen impressionen und verfremdeten klavierklängen. die in deutschland geborene pianistin chinesischer abstammung yi-ling lam (*1982) erhielt ihre ausbildung bei catherine vickers an der hochschule für musik und darstellende kunst in frankfurt am main. seit 2009 studiert sie an der kunsthochschule für medien köln. ihr künstlerisches schaffen hat den fokus auf performances mit klavier, live-elektronik, video und tanz.

c l a u d i a   l i s t   liliennetz – ein geräuschereignis
stille am gleis kann dauern, zum aufbruch wird gepfiffen. erregte stimmen signalisieren deine reisebedingungen. tür-zischen zeigt an, drinnen – also relativ – wegstrecke gemacht zu haben. u-bahnen surren zur inneren anspannung. vom takt in bussen kann nicht die rede sein. zum zweiten mal die ankunft überhört… claudia list, 1981 geboren und aufgewachsen in koblenz. 1999-2001 lehre als glasmalerin, anschließend bis 2002 fachabitur gestaltung. 2003-2007 diplom freie kunst glas. seit 2008 studium an der kunsthochschule für medien köln

m a r c o   m o n t i e l – s o t o   deafness evidence
video ohne klang, 4´50 min
ludwig van beethoven schrieb am 6. oktober 1802 in heiligenstadt ein testament für seine brüder. das testament, zusammen mit den liebesbriefen an seine unsterbliche geliebte, waren an einem geheimen ort in seinem schreibtisch versteckt. wahrscheinlich hat er sie nie jemandem gezeigt. tage nach seinem tod wurden sie gefunden. das heiligenstädter testament  ist das einzige schriftstück beethovens, in dem er über seine verzweiflung auf grund seiner wachsenden gehörlosigkeit schreibt. außerdem gibt er eine persönliche enttäuschung zu, weil er sich nicht traute, den menschen zu sagen lauter zu sprechen oder ihn anzuschreien, da er taub war. in dem video deafness evidence übersetzt ein gehörloser das heiligenstädter testament in die gebärdensprache. marco montiel-soto (*1976, maracaibo, venezuela) abschluss in fotografie und m.a. sound studies udk berlin. er folgt nicht einer gerade linie, sondern erweitert seine fotografien mit videos, schreibt sinfonien aus diapositiven und macht installationen mit gefundenen objekten. er begab sich auf eine lange reisen durch europa und hat unterschiedlichsten eindrücke entdeckt, die  man in seinen arbeiten, die sich schwerelos zwischen magischem realismus und surrealismus bewegen, wieder finden kann.
http://www.puentedeburros.com/

j u d i t h   n o r d b r o c k   perpetuum mobile_
beethovens musik im fluss der zeit
perpetuum mobile_ spielt mit der fortlaufenden bewegung von musik und atmosphärischen klängen. ausgangspunkt bildet der mit „allegretto“ überschriebene 3. satz der klaviersonate op. 31 nr. 2 von beethoven, den die in bonn geborene musikerin & toningenieurin judith nordbrock 1980 beim beethovenfest zum 1. mal von dem bereits verstorbenen pianisten youri egorov hörte. 30 jahre später spielt sie den satz in eigener interpretation ein und lässt ihn an orten in bonn erklingen, um ihn dort zusammen mit den ortsspezifischen, atmosphärischen klängen wieder aufzunehmen. durch die später vorgenommene tonmontage durchläuft die musik, ausgehend vom aufnahmestudio, verschiedene bonner orte bis sie in die beethovenhalle zurückkehrt, wo das perpetuum mobile seinen anstoß fand. dabei vermischen sich die dynamischen klangkulissen unentwegt mit dem ostinatohaften 16tel-motiv des sonatensatzes und symbolisieren den unbegrenzten verlauf von zeit. judith nordbrock wurde in bonn geboren und begann früh das klavierspiel. nach dem abitur studierte sie einige semester musikwissenschaft an der rheinischen friedrich-wilhems-universität bonn und später ton- und bildtechnik in düsseldorf, wo sie bei prof. schenk ihre klavierstudien fortsetzte. seit 1997 ist judith nordbrock als toningenieurin an der kunsthochschule für medien in köln angestellt. neben ihrer verantwortung bei der unterstützung von studentischen projekten hat sie unterschiedliche eigene projekte im klangkunst-, film- und musikbereich realisiert.

m a r t i n   r u m o r i   inout
interaktive klanginstallation, 2010
inout besteht aus zwei mikrofonpaaren, einem kopfhörer und einem sensor, der die rotation des kopfhörers misst. je nachdem, in welche richtung der zuhörer sich mit dem kopfhörer wendet, wird entweder die äußere klangsphäre vor der beethovenhalle oder das momentane geschehen innen im foyer hörbar. inout erklärt damit beide klangräume, den inneren und den äußeren, zu hörenswerten auditiven readymades und thematisiert dabei das durch technische medien vermittelte hören. der zuhörer wird eingeladen, sich selbst beim hören zuzuhören. martin rumori, geboren 1976 in berlin. studium der musikwissenschaft, informatik und philosophie in berlin. seit 2005 künstlerisch-wissenschaftlicher mitarbeiter im klanglabor der kunsthochschule für medien köln (khm). dissertationsprojekt am institut für elektronische musik und akustik (iem) in graz. arbeitsschwerpunkte: klanginstallationen, klangperformances, softwareentwicklung für künstlerische anwendungen, erweiterte auditive klangumgebungen, mehrkanal-klangprojektion im raum.

s e b a s t i a n   t h e w e s   the magnetic wooden air trail
fieldrecordings, klangcollage, 2010
the magnetic wooden air trail nimmt den zuhörer mit auf eine akustische wanderung jenseits der ausgetretenen pfade. neben konventionellen klängen und einem kleinen abstecher ins innere der dinge lädt das stück auch ein, ins elektromagnetische wesen bonns zu horchen. zusätzlich zu herkömmlichen mikrofonen wurden kontakt- sowie spulenmikrofone verwendet, um klänge einzufangen, die sich normalerweise vor dem zuhörer verbergen. die collagenartig verwobenen aufnahmen schaffen einen klangraum, der bonn von einer anderen seite erfahren lässt. sebastian thewes, 1980 geboren in solingen. ausbildung zum mediengestalter in köln. seit 2003 realisierung verschiedener künstlerischer projekte im bereich der experimentellen informatik, installation, klang, fotografie, video und grafik. seit 2005 tätig im bereich grafik, webdesign und programmierung für verschiedene arbeitgeber und kunden. seit 2009 studium an der kunsthochschule für medien köln.
http://www.sebastianthewes.com

c h r i s t o f   w e n t a   stadtfarben – musik auf elektromagnetisch angeregten stimmgabeln
die stadtfarben sind eine stetig erklingende musik der stadt. ein mensch kann sie ohne weiteres nicht als solche wahrnehmen, da sie auf einer ihm zunächst unverständlichen ebene stattfindet. die gleichnamige installation transformiert den klang der stadt analog den prinzipien der modalen ragamusik und ermöglicht dem zuhörer somit einen direkten akustischen einblick in die stadtfarben. christof wenta wurde 1985 in thorn geboren und wuchs in bonn und umgebung auf. er studierte sound studies an der universität der künste berlin, um seine leidenschaftliche beziehung zu klang und musik zu vertiefen. 2004 gewann er den beethoven bonnensis jugendförderpreis mit seiner ersten klanginstallation “die blüte der tauben saat”. es folgten weitere installationen. als komponist und musiker entwarf und spielte er musik zu diversen theaterproduktionen und kurzspielfilmen. zudem gab er zahlreiche konzerte mit verschiedenen besetzungen auf landesweiter ebene.
http://www.wenta.ws

eine veranstaltung im rahmen des projektes bonn hoeren – sonotopia der beethovenstiftung für kunst und kultur der bundesstadt bonn in zusammenarbeit mit dem beethovenfest bonn und der kunsthochschule für medien köln.